Operation Ljutsch

Roman

Band I  Ausfahrt

Band II Heimkehr

Der geheime Schlüssel zur Deutschen Einheit

Band II  Heimkehr

Teil V–IX

 

Mit Illustrationen des Autors

 

Softcover, 464 Seiten

 

Erschienen im

ASARO VERLAG

ISBN: 978-3-95509-072-2

 

Leseprobe Band II Heimkehr

Teil Fünf: Rückzugsstrategien

Kapitel 32: Oberst a.D. Bruder Nikolai – Mönch im Höhlenkloster Nishnij Nowgorod

 

„Der neunte November war dann wirklich das ultimative Datum eurer Gegner, wie es Konstantin Petrow mit der Kanzler-Visite in Warschau politisch eingeordnet hat?“ warf Nussbaum ein.

„Ja so war es, – über das Zeitfenster für den Putsch, haben wir seit dem Sommer gerätselt. Das Heft des Handelns ist ja immer in Händen derer, die angreifen und damit den offensiven Vorteil nutzen. Auf diesen Angriff musst du vorbereitet sein, – egal, wann die starten. Aber dann ergab sich doch eine verblüffend logische Kette geschichtlicher Indizien, die uns sicher machte, dass es dieser Tag sein würde.

Eine deutsche Kette gewissermaßen, denn in Berlin sollte die Aktion ja starten und quasi die Initialzündung für den Umsturz im Ostblock werden, – soviel war klar.

Die ostdeutschen Genossen Putschisten wollten strategisch, so sah ich es anfangs, – für den Fall, dass es gelingt, und auch dass was schief geht – in der deutschen Geschichte abtauchen. Jeder Putsch gegen das Volk ist ja a priori anrüchig.

Dieser neunte November soll so ein bedeutungsschwerer Tag sein bei euch – die Reichs-Pogromnacht ist wohl so ein Ereignis?“

„Republik. – Auch die Gründung der Republik nach dem Ersten Weltkrieg“, warf Nussbaum ein.

„Und die Ausrufung der sozialistischen Republik durch Liebknecht, am gleichen Tag, – und auch der Putschversuch von Adolf dem Letzten, dem Österreicher, in München, – fünf Jahre später“, ergänzte Oie. „Da liegen einige Wurzeln, die zu Ausgangspunkten späteren Unheils wurden. – Das hätte den Putschisten eigentlich zu denken geben müssen, Nikolai.“

„Ja, wenn alle so abergläubisch gewesen wären, wie wir Russen. Da war aber noch etwas viel Wichtigeres. Der damit korrelierende, strategische Hauptgrund war wirklich ein anderer“, spann der Mönch den Faden aus. „Es war dieser von Konstantin Petrow erwähnte Staats-Besuch des Deutschen Kanzlers, mit großem Tross, in Polen, der am neunten November startete und wie jeder Staats-Termin langfristig festgezurrt war.

Damit haben unsere Gegner kalkuliert, denn bei jedem blutigen, erfolgreichen Putsch in der Geschichte, geht es um die ersten Stunden und Tage: Da wird durchgegriffen, da gibt es das große Blut-Bad, da werden die Fakten geschaffen, – im Lande und diplomatisch.

Und gerade da befindet sich Kanzler Kohl, der Haupt-Betroffene, der nach eigenem Verständnis Vertreter aller Deutschen, der Repräsentant und Regierungschef des wichtigsten NATO-Partners am Eisernen Vorhang, quasi unter Hausarrest in Warschau. Natürlich nur zu seiner eigenen Sicherheit. Natürlich auch, weil der Luftraum gesperrt ist und alle Kommunikationsverbindungen gekappt sind, – so hätten es die Putschisten diplomatisch begründen können.

Auch der polnische Präsident Jaruzelski wäre dann als Ansprechpartner nicht mehr vorhanden gewesen, denn er war ja, als ein Freund Gorbatschows, – der Kopf des polnischen Wandels und auch der Operation Morgenlicht, in dieser Europäischen Perestroika. Der wäre sofort von der Bildfläche verschwunden.

Kanzler Kohl im Vakuum – als Faustpfand zum Vorteil der Putschisten –, das sollte der konspirative Geniestreich sein. Alles auf Null war der Plan der Gorbatschow-Gegner.

Ein Marschall wird sowjetischer Partei-Chef, und die Komitees zur Rettung des Friedens und des Sozialismus hätten im ganzen Ostblock mit dem Ausnahmezustand durchregiert, – eine weitere Eskalation des Kalten Krieges zwischen Ost und West in Kauf nehmend.

Der Westen hätte – wie immer – mit weiteren Sanktionen gedroht, wäre aber froh gewesen, dass die Lage nicht eskaliert und er seinen Vasallen-Kanzler Kohl unbeschadet wieder bekommt, – nach ein paar Tagen, ausgereist über Schweden.

Niemand wäre inzwischen aufmarschiert und hätte einen Krieg begonnen, denn alle

Machthaber liebten den Status quo und ihre gesicherten Rollen im Spiel der Mächte. Vor allem fürchteten alle Politiker und Strategen unkontrollierbare Ereignisse, besonders den

ganz großen atomaren Knall.“

„Das klingt ungeheuerlich, aber strategisch perfekt, muss man sagen. Du hast recht Nikolai, – die NATO wäre sicher nicht losgeflogen, nur um den Bundeskanzler rauszuhauen.

Doch wie konntet ihr dem begegnen, wie lief es dann in Berlin weiter?“, versuchte Oie den Spannungen dieser Tage nachzufühlen.

 

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